Brief von Gerd – Lieber Jens Stoltenberg,

ich habe habe heute Ihr Interview im ZDF-Morgenmagazin gesehen. Ich war so was von beeindruckt von Ihnen, Herr Jens Stoltenberg, dass ich mich entschieden habe, meinen heutigen „Brief von Gerd“ an Sie zu richten. Sie wurden am 16. März 1959 in Oslo geboren und sind der amtierende Ministerpräsident des Königreiches Norwegen. Um ehrlich zu sein – vor den schrecklichen Anschlägen vom Juli 2011, bei denen 77 Menschen durch Anders Behring Breivik getötet wurden, kannte ich sie nicht.

auf dieser Insel geschahen die grausamen Morde an so vielen jungen Menschen
Doch sofort nach den Anschlägen sind Sie mir aufgefallen. Noch bevor das Ausmaß der Tragödie bekannt war und bevor der Täter gefasst war, haben sie sich an Ihr Volk und an die Welt gewandt, in dem Sie sagten „Ihr werdet  unsere Demokratie und unser Engagement für eine bessere Welt nicht zerstören.“ Niemand könne Norwegen „zum Schweigen schießen“, das Land werde nicht aufhören, zu seinen Werten zu stehen.“

Sie sind für die Norweger ein Fels in der Brandung, sie richteten Ihre Nation in Ihren Trauerreden wieder auf. Das Attentat galt ja auch Ihnen. Ihr Büro im Justizministerium wurde durch die Explosion  zerstört. Sie saßen zu dem Zeitpunkt der Explosion in ihrer Wohnung und schrieben an der Rede, die sie in ein paar Tagen auf Utøya halten wollten.

Sie verhinderten mit ihren unaufgeregten Worten und ihrer ruhigen Art, dass die Norweger sich in Hass verlieren.  Sie hielten beim Gedenkgottesdienst im Osloer Dom  eine einfühlsame Rede und griffen dabei einen Satz auf, den eine junge Frau aus der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF einem CNN-Reporter ins Mikro gesprochen hatte: „Wenn ein Mann so viel Hass in sich tragen kann, können wir alle zusammen viel mehr Liebe zeigen.“  „Wir sind ein kleines Land, aber wir sind ein stolzes Volk. Wir sind entrüstet über das, was uns getroffen hat, aber wir werden nie unsere Werte aufgeben. Unsere Antwort wird mehr Demokratie sein, mehr Offenheit und mehr Menschlichkeit. Aber nie Naivität.“

Der Ministerpräsident von Norwegen, Jens Stoltenberg, tröstet einen Überlebenden des Massakers.

Und heute habe ich sie wieder reden gehört – und wieder bin ich so was von beeindruckt von der Art wie Sie über diesen Täter reden. Vorgestern wurde ja bekannt, dass der Täter Breivik laut einem am 29. November 2011 bekanntgegebenen rechtspsychiatrischen Gutachten  zur Tatzeit aufgrund einer paranoiden Schizophrenie nicht zurechnungsfähig war. Das bedeutet, dass er auch nicht straffähig und  somit auch nicht in ein Gefängnis muss.

Sie sind ein Paradebeispiel für Demokratie und für Gewaltentrennung – sie akzeptieren die Entscheidungen der Gerichte und halten sich auch mit Ihren persönlichen Empfindungen sorgsam zurück. Wer Zeit hat – schaut euch dieses Interview an. Meiner Meinung nach rentiert sich jede Minute davon. Ich persönlich kann mir an Ihnen ein Beispiel nehmen, wie ich mit Situationen umgehen sollte, die anders laufen, als ich sie mir vorstelle.

Interview mit >>>Jens Stoltenberg auf ZDF.

In Gedanken – euer G.Ender

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