Brief von Gerd – Liebe Rutka!

ich habe heute in der Zeitung deine Geschichte gelesen, liebe Rutka. Jetzt habe ich mich informiert, wer du warst, was dein Schicksal war und ich bin so was von traurig, wenn ich deine Geschichte erzähle. Du warst meine Schwester und wurdest von meinen Brüdern ermordet. Natürlich nicht meine leibliche Schwester – aber warum geht das nicht in die Herzen und Gehirne von uns Menschen, dass wir schlussendlich doch alle Brüder und Schwestern sind.

Rutka Laskier – du wurdest 1929 in Danzig geboren und bist als jüdisches Mädchen aufgewachsen. Du wurdest nach deinem Tod bekannt, weil du davor ein Tagebuch über 85 Tage im Frühjahr 1943 im Ghetto in Bedzin im besetzten Polen geschrieben hast. 

Als du mit deinem Tagebuch begonnen hast, warst du 14 Jahre alt. Du träumtest wie alle Jugendlichen von der ersten Liebe, vom ersten Kuss und einer Welt, die noch so viele Möglichkeiten für dich bereitgehalten hätte. Du hast in deinem zarten, jugendlichen Alter so viel grauenhaftes gesehen und miterlebt und trotzdem wolltest du leben. In einem Satz deines Tagebuches schreibst du „man möchte trotz all der Grausamkeit doch leben“ – aber du wurdest 1943 mit immer noch 14 Jahren zusammen mit deiner Familie deportiert – aus diesem Ghetto ins 40 km entfernte Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und von den deutschen Besatzern ermordet.
In einem anderen Abschnitt schreibst du voller Hoffnung – „ich träume davon, mir Flügel an die Arme zu heften und in die Ferne zu entschweben“
Diese Hoffnung hat sich für dich leider nicht erfüllt. Jetzt ist dein Tagebuch endlich auch auf Deutsch erschienen – Rutkas Tabebuch. Aufzeichnungen eines polnischen Mädchens aus dem Ghetto.

Das folgende Youtube Video ist nicht leicht anzuschauen, aber wenn man bedenkt, dass Rutka dies nicht nur anschauen musste, sondern in jeder Einzelheit bis zum Ermorden miterleben musste, dann MÜSSEN wir das aushalten – dieses Anschauen, dieses niemals Vergessen.

Und wenn es unsere Europäische Union schafft, solche Greueltaten und Kriege in Zukunft im vereinten Europa für unsere Kinder zu verhindern, dann nehm ich all die wirtschaftlichen Krisen und Probleme, die diese Vereinigung mit sich bringt, gerne in Kauf. Was sind die Schulden Griechenlands – gegen das Ausmaß der Vernichtung von Menschenleben im 2. Weltkrieg?
Du hast mich heute wieder einmal sehr nachdenklich gemacht Rutka und trotzdem wird morgen wieder der Schleier des Alltags über deine so traurige Geschichte gelegt. Aber heute gehört dieser Brief dir – dir ganz allein. Und natürlich auch euch allen, die ihr durch euer lesen am Leben und Sterben von Rutka teilnehmt.

In Gedanken – euer G.Ender

Ein Gedanke zu “Brief von Gerd – Liebe Rutka!

  1. Ja Gerd, niemals darf es ein Vergessen geben von diesen Greueltaten, aber hat der Mensch je aus der Vergangenheit gelernt? Nein, denk nur an den Jugoslawenkrieg fast vor unserer Haustüre und an all den Kriegen rund um die Welt und bestialischem Morden! Es wird immer wieder Kriege und grausame Folterungen geben, das hat uns die Geschichte gelehrt, aber gelernt daraus haben wir nicht! Ich bin unendlich traurig darüber!

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