Brief von Gerd – Liebe Profis vom Fussballklub Altach,

sitze immer noch in Italien auf meinem Campingplatz und verfolge von etwas Entfernung die Entwicklung beim Fussballklub  Altach. Auswärts 2:0 verloren. Wieder die Chance verpasst, ganz in die Spitze der Tabelle vorzurücken. Schon wieder haben die Gegener um den Aufstieg für Altach gespielt – nur Altach hat es wieder einmal versäumt – „für Altach“ zu spielen.

Ich sitze in meinem Kaffee und denke nach, an wen ich heute schreiben soll. Jetzt kommt mir die Idee – ich schreibe an unsere Fussball-Mannschaft in Altach. Am Tisch neben mir sitzen 4 Putzfrauen des Campingplatzes. Sie machen ihre 1. Pause. Gelbe Schuhe, gelbe Leibchen, das ist ihre Arbeitskleidung – und sie reinigen die Toilettenanlagen, die wir Touristen Tag für Tag verunreinigen. Keine leichte Arbeit und auch keine so angenehme Arbeit. Und ich möchte die Stunden nicht wissen, die sie in der Hitze arbeiten und ich möchte noch weniger wissen, wie viel sie dabei verdienen. Es sind genau dieselben Menschen wie ihr.

Und als ich die 4 Frauen so beobachtete, kamt ihr mir in den Sinn. Ihr habt den tollsten Job auf Erden. Ihr verdient euer Geld mit einem Spiel, das alle Jungen auf der Welt spielen. Es ist unglaublich, hier auf dem Campingplatz gibt es 2 Kunstrasenplätze und wirklich hunderte von Jungen und Mädchen laufen 2-3 Bällen hinterher. Die Faszination Fußball ist unglaublich und bricht nicht ab – im Gegenteil.

Und ihr wart auch mal solche Jungs, die aus Spass Fußball gespielt habt – und jetzt habt ihr das Können, das Glück und die Ehre, mit diesem Spiel euren Lebensunterhalt zu „erspielen“ – Welch glückliche Fügung, ihr seid priviligierte junge Männer – seid ihr euch eurem Glück bewusst? – ich glaube nicht – ich glaube, ihr werdet das erst richtig erkennen, wenn der Traum eines „Fußballprofi“ ausgeträumt ist und ihr auf diese Zeit zurückblickt.

Ihr habt einen Trainer, der versucht euch jeden Tag etwas besser zu machen – ihr habt ein Umfeld im Verein, das jeden Tag versucht, die Millionen von Euro aufzutreiben, die der Spielbetrieb, die Anlagen und eure Gehälter kosten.

Ich habe nicht das Recht euch alle in einen Topf zu werfen, dazu kenne ich euch zu wenig, weiss zu wenig von euch und beobachte eure Tagesabläufe zu wenig. Aber ich sehe andere Menschen in anderen Berufen – die Hoferkassierin, die Mc-Donaldsmitarbeiterin, den Fabriksabeiter, den Postbeamten, die Hausfrau – alle arbeiten mindestens 8 Stunden am Tag für deutlich weniger Geld als ihr. Und meine Meinung ist, dass ihr mehr machen könntet – einfach mehr – mehr als der Trainer verlangt.

Ich wünsche mir, dass ihr 24 Stunden Profis seid, auch in euren freien Stunden, auch bei eurem Mittagessen in der Pizzeria, und dem Nachmittagskaffee, auch bei eurer Freizeitgestaltung am Abend. Tut mehr, damit ihr nicht einmal zurückblickt auf eure Karriere und denkt – ein wenig mehr wäre drinn gewesen. Ihr seid mit Abstand die beste Mannschaft der Liga – ihr seid wahrscheinlich auch eine der teuersten Mannschaften der Liga. Ihr wollt aufsteigen in die „richtige“ Profiliga in Österreich. Also – dafür müsst ihr mehr tun als die anderen in der Liga – ihr müsst besser sein, ihr müsst mehr machen, ihr müsst aufsteigen „WOLLEN“ – und dann klappt das – ich bin 100%ig davon überzeugt.

Aber den Aufstieg erreicht nicht euer Trainer, euer Betreuerstab, eure Physiotherapeutin – der Aufstieg funktioniert nur im Herzen und Hirn von euch 25 Profis. Jeder Einzelne von euch ist verantwortlich und ihr alle zusammen macht das dann möglich.

Ich bin der Meinung, dass der Aufstieg euch Spielern ganz alleine gehört, aber ich bin auch der Meinung, dass ein Nichtaufstieg auch euch alleine gehört. Das Umfeld ist in Ordnung in Altach, schon verbesserungsfähig – aber wo findet ihr perfekte Verhältnisse vor. Schaut dazu, dass diese Verhältnisse in der obersten Liga in Österreich auch für euch noch besser werden – es liegt in euren Händen – pardon – in euren Füssen.

In Gedanken – euer G.Ender

12 Gedanken zu “Brief von Gerd – Liebe Profis vom Fussballklub Altach,

  1. LOOOOOOOOOOL!alle mitmachen, die weeeeelle!hat recht, der mann! andere brezeln den ganzen tag teilweise im dreck, und manche herren wollen nicht schwitzen beim spiel. die "briefe" san wirklich klasse!

  2. Hab grad gegoogelt, wo überhaupt dieses ALTACH liegt.die spielen ja irgendwo in der zweiten österreichischen liga…dann doppelt hut ab vor gerd. für seine amüsanten briefe (ich klick immer drauf, sobald ich die twitter-meldung reinkrieg) und dann dafür, dass er für diese mannschaft weiterhin die daumen drückt!^^aber man soll nie die hoffnung aufgeben! bin zwar ein berliner, aber in diesem fall sag ich:"ich bin ein aaltacher!"

  3. Also, ich out mich jetzt als weiblicher "Nicht-Fussball-Fan", aber diesen Brief hab ich echt gern gelesen!Überhaupt habt ihr heute schöne Berichte, ich hab den ganzen Tag beruflich mit schlechten Nachrichten zu tun, da tut es richtig gut, mal was von Fussballern, Bodensee, Melisse, Sex unterm Windrad oder auch der Gerlinde zu lesen!Schlimmes gibt es genug auf der Welt. Aber auch viel heiteres. Das hier gehört eindeutig dazu! „

  4. Also, ich out mich jetzt als weiblicher "Nicht-Fussball-Fan", aber diesen Brief hab ich echt gern gelesen!Überhaupt habt ihr heute schöne Berichte, ich hab den ganzen Tag beruflich mit schlechten Nachrichten zu tun, da tut es richtig gut, mal was von Fussballern, Bodensee, Melisse, Sex unterm Windrad oder auch der Gerlinde zu lesen!Schlimmes gibt es genug auf der Welt. Aber auch viel heiteres. Das hier gehört eindeutig dazu! „

  5. @JuliaDes kommt davon, wenn a frau mitredn wui bei am männer-thema …na, is ma a scho passiert. wenn ma do net schnoi gnuag schaut, oder doppelt klickt – zack, scho siachst dein post doppelt – ohne an schluck alkohol.und ka wunda, wird bier vernichtet en masse bei den spuiln in good old austria. onders ertrogst des jo eh neet…

  6. Hallo SportsfreundeBeim Fußball (in Altach) dreht sich immer alles nur um das Thema "Aufstieg". Mehrere Vizetitel wurden in absehbarer Zeit errungen. Just platzte einigen "eingefleischten Fans" – nach desolater Leistung – der Kragen. Vor Saisionstart kam noch hinzu, dass der Verein den Aufstieg gerichtlich für sich in Anspruch nehmen wollte (zum Nachteil der Admira). Wenn, wäre, aber – die gesamte Vereinsführung stellt die Trainerfrage bis dato nicht in Frage. Eine alte Weisheit besagt: "Wenn man gegen den Wind pinkelt, dann … (Ihr wisst schon)". Nach Spielende würde ich leistungsbezogene Spieler für die Reinigung der Toilettanlagen herbeiziehen. Ganz nach dem Motto: Gelb schwarz, wir halten zusammen.

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